WAS STELLEN WIR UNS VOR?

ZUR PUBLIKATION

Mehr und mehr Flächen gehen heutzutage in Frankfurt für die Allgemeinheit verloren. Die Folge ist ein Stadtraum, der auf seine reine Funktion Strasse, Gleis, Weg, Sauerstoffproduktion (Baumreihe) mit einer maximalen Ausnutzung der Grundstücksfläche reduziert ist. Die Aufenthaltsqualität und die Möglichkeit der Aneignung des Stadtraums durch die Bewohner reduzieren sich. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein, durch zunehmende Privatisierung, durch Zeit- und Kostendruck, fehlende Regularien und Vorgaben der Stadt dagegen zu steuern. Auch wenn es für den Einzelnen häufig als Anmaßung verstanden wird, sich auf dem eigenen Grundstück Vorgaben machen zu lassen, so nutzt es langfristig doch der Allgemeinheit, da damit das Bild der Stadt geprägt und die Lebensqualität eines Stadtteils gesteigert oder geschwächt wird.

Konkret geht es bei dieser Studie um den Stadtraum im Europaviertel, der von vielen Seiten bemängelt wird. Obwohl er als lebendiger Stadtteil mit pulsierendem Leben erdacht ist, erfahrenwir hier die Reduktion auf die reine Funktion – um von A- nach B zukommen – und die höchste Ausnutzung der Grundstücke ohne öffentliche Plätze und Nutzungen besonders deutlich wahrnehmbar. Der menschliche Maßstab ist nicht erfahrbar, die Distanzen sind nur für das Auto geplant. Tragisch zu dem, dass die Allee nicht bei einem „Arc de Triomphe“, oder alternativ bei einer „landmark“ oder einem „Point de vue“ o.ä. endet, sondern auf der gefühlten Rückseite eines Einkaufzentrums, sodass der Eindruck entsteht sie hört irgendwo irgendwie auf oder verläuft sich. Die Erdgeschosszonen sind überwiegend privat genutzt und nicht für die Öffentlichkeit vorgesehen, sodass die Strassen monoton und steril wirken.

Mit einer Nutzungvielfalt hat das wenig gemein…

Mit der Industrialisierung und dem Aufkommen der Eisenbahn wurde hier der Güterbahnhof angesiedelt, unweit des Hauptbahnhofs und nah am Zentrums. So blieb es ein gutes Jahrhundert. Die Stadt wächst und „kesselt“ die Gleise ein. Das Bauland ist knapp in der Stadt.

Als der Güterbahnhof in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts auf Grund der Verlagerung auf die Straßen und in die Gewerbegebiete aufgegeben wurde, entstand hier eine riesige Freifläche…

Welch eine Chance für eine Stadt!

Die Straßenbezeichnung „Güterplatz“ erinnert an den Standort des einstigen Güterbahnhofs, an dessen Abfertigungshalle.

Der städtebauliche Rahmenplan zum Europaviertel bildet die wesentliche Grundlage für die weiterführenden Planungen, wie zum Beispiel Bebauungs- und Erschließungspläne. In den Jahren 1999 und 2000 wurde erstmals ein Rahmenplan zwischen den Eigentümerinnen, Eigentümern und der Stadt Frankfurt abgestimmt, der das geplante Erschließungssystem und die sich daraus resultierenden Bau- und Grünflächen darstellte. Dieser Rahmenplan wurde im Jahre 2000 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen und bildete die Grundlage für eine entsprechende Änderung des Flächennutzungsplanes des Umlandverbandes Frankfurt.

Für das westliche Wohnquartier wurde 2002 ein städtebaulicher Realisierungswettbewerb ausgelobt, den das Stuttgarter Büro h4a für sich entscheiden konnte. Ein entsprechend überarbeiteter und in seiner Gesamtheit konkretisierter Rahmenplan wurde im Mai 2003 im Rahmen einer Bürgerbeteiligung der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ein wesentlicher Bestandteil dieser städtebaulichen Planung war ein 800 Meter langer Straßentunnel für die Europaallee, der privat finanziert werden sollte. Aufgrund gestiegener Sicherheitsanforderungen an derartige Bauwerke und der damit verbundenen Kostensteigerung um ca. 40% war die Finanzierung des Tunnels in dieser Dimension und somit die Realisierung der bis dahin avisierten städtebaulichen Planung nicht mehr darstellbar. Dies hatte zur Folge, dass die bisher verfolgte städtebauliche Konzeption vollständig überarbeitet werden musste. Zudem veränderte sich der Zeitplan zur Umsetzung der Planung aufgrund einer zwischenzeitlichen Entscheidung der Deutsche Bahn AG, das Rangierfeld noch bis 2010 nutzen zu wollen. Durch diese Zwangspunkte wurde eine gestaffelte Entwicklung des westlichen Europaviertel erforderlich.

Im Rahmen eines Testplanungsverfahrens von Januar bis Juni 2004 wurde der städtebauliche Rahmenplan für das westliche Europaviertel überarbeitet. Dafür wurden die Büros h4a, Stuttgart und AS&P, Frankfurt am Main sowie das Stadtplanungsamt Frankfurt am Main von den Eigentümerinnen aufgefordert, neue Ideen für das Europaviertel West zu entwickeln, die die neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besser erfüllen. Das Büro h4a, das 2002 den Wettbewerb zum Wohnquartier Europaviertel West für sich entscheiden konnte, und das Stadtplanungsamt hatten dabei nahezu den gleichen Planungsansatz. Dieser wurde durch das Büro h4a in enger Absprache mit den Eigentümerinnen, Eigentümern und der Stadt weiterentwickelt. Im September 2004 konnte der Öffentlichkeit im Rahmen einer erneuten frühzeitigen Beteiligung der überarbeitete Rahmenplan vorgestellt werden.

Rückgrat der Planung ist die 60 m breite, begrünte Europaallee, die aus dem Europaviertel Ost kommend auch das westliche Planungsgebiet strukturiert. Nördlich und südlich wird die boulevardartige Straße von einer siebengeschossigen, geschlossenen Blockrandbebauung gefasst. Die nördliche Bebauung übernimmt dabei gleichzeitig die Aufgabe, den Erweiterungsflächen der Messe einen stadträumlichen Abschluss zu geben und somit die großmaßstäblichen Messehallen besser in den Stadtraum einzubinden. Die Europaallee soll von ihrem Beginn am Güterplatz bis zur Einmündung in die Straße Am Römerhof gestalterisch einen einheitlichen Charakter erhalten.
In der Mitte des westlichen Plangebietes taucht die Europaallee auf einer Strecke von nunmehr 400 Metern in einen Straßentunnel ab. Oberhalb des Tunnels wird der in Ost-West-Richtung orientierte, ca. 6 ha große Europagarten angelegt – Eröffnung im Juni 2011. Zwei jeweils ca. 60 m breite und 170 m lange Grünverbindungen verbinden den Park einerseits nach Süden mit dem Gallusviertel, andererseits nach Norden mit dem Rebstockpark und bilden den Lückenschluss einer Grünverbindung der Innenstadt mit dem Naherholungsraum der Nidda. Für den Europagarten wurde 2008 ein landschaftsplanerischer Realisierungswettbewerb durchgeführt, den das Berliner Büro relais – Landschaftsarchitekten für sich entscheiden konnte.
Rund um den Park sollen vier Wohnquartiere mit insgesamt ca. 2.000 Wohneinheiten entstehen. Diese Nutzung wird erst durch den Bau des Straßentunnels und im westlichen Bereich durch den Bau Allee begleitender Gewerbebauten ermöglicht, da hierdurch die neu geplanten Allgemeinen Wohngebiete vom Lärm des Verkehrs der Europaallee abgeschirmt werden können.
Nordwestlich des Europagartens ist eine neue Grundschule für das Europaviertel geplant, die von allen neu geplanten Wohnbereichen gleich gut erreichbar sein wird. Für die vier großen Wohnbauabschnitte sind fünf Standorte für neue Kindertagesstätten vorgesehen. Die öffentliche Erschließung soll zukünftig über eine unterirdische Stadtbahn mit 4 Haltepunkten parallel zur Europaallee erfolgen.

(Quelle: AS+P, Frankfurt am Main)

Die U5 kommt!

Im Bereich der Gleise werden 11.000m² Grünfläche angelegt. Das entspricht nahezu der Größe des Frankfurter Weinbergs am Lohrberg.

Insgesamt entstehen 573 Meter Bahnsteig.

Alle drei oberirdischen Stationen sind über Rampen barrierefrei zugänglich. Die unterirdische Station „Güterplatz“ ist über Treppen, Rolltreppen und einen Aufzug erreichbar.

Analyse:

  • Notwendigkeit der Schaffung von Wohn- und Arbeitsraum in der Stadt zur Schonung von Ressourcen und Verringerung des Verkehrsaufkommens.
  • Im Europaviertel wurde die Verkehrsfläche des Gleisbettes und des Güterhauptbahnhofs der Stadt wieder zurückgegeben. Eine Chance für die Schaffung von Wohnraum, Arbeitsplätzen und Urbaner Qualität.
  • Ausgangsbasis Problemlage Status Quo defizitäre Stadträumlichkeit und wünschenswerte Verbesserung von Verweilqualität und Mikroklima. Basis Analyse gem. „Klimaplanatlas Klimafunktionskarte FFM 2016“

durchblättern...